30.07.2010
in der BauernZeitung:
Ein Sieg für alle
Willi Schmid / An der
Weltmeisterschaft der Jersey-Käse holte der Käser aus Lichtensteig
SG mit seinem "Jersey Blau" in der Kategorie Blauschimmelkäse den
Weltmeistertitel.
Text: Tanja Trauboth
Lichtensteig ■ Es ist Anfang
Juni, Willi Schmid und sein neunjähriger Sohn Nicola aus
Lichtensteig SG haben gerade den Käsehändler Rolf Beeler
verabschiedet, der zu den "World Jersey Cheese Awards" nach Jersey
abgereist war. Auf der Kanalinsel sollen die weltbesten Käse aus der
Milch von Jersey-Kühen gekürt werden. Mit dabei sind auch zwei Käse
aus Schmids Städtlichäsi. Der eine mit dem Namen "Mühlistein" in der
Kategorie Schmittkäse und der andere "Jersey Blau" in der Kategorie
Blauschimmelkäse.
Über 100 Käse nahmen am
Wettbewerb teil
102 Käse aus den USA, Australien, Südafrika und anderen Ländern
nahmen am Wettbewerb teil. Schmid wusste, dass die Engländer ihren
Blauschimmelkäse gerne rezent haben, deshalb hatte er extra ein
besonders reifes Exemplar des "Jersey Blau" für die
Weltmeisterschaft bei Seite gelegt. Genau diesen Käse verkaufte aber
seine Frau versehentlich am Tag, bevor dieser nach Jersey geschickt
werden sollte. Mit diesem Verkauf trug sie aber massgeblich zum
Erfolg ihres Mannes bei. Jetzt war nur noch knapp ausgereifter,
milder Käse am Lager, unwillig schickte Schmid einen solchen an die
Weltmeisterschaft.
In letzter Minute haben sich Vater und Sohn Schmid entschieden,
persönlich an der World Jersey Cheese Awards dabei zu sein. "Du
gewinnst, du bekommst zwei Goldmedaillen", sagt Nicola. "Und dazu
wird einer deiner Käse Champion", sagt der Junior vor dem Abflug auf
der Aussichtsplattform des Flughafens in Zürich zu seinem Vater.
Nicola sollte am Schluss mit seiner Prognose recht behalten, denn
beide eingereichten Käse gewannen Goldmedaillen und der "Jersey
Blau" wurde sogar Champion über alle Jersey-Käse. "Die Jury war
begeistert, weil dieser Käse so anders ist als andere
Blauschimmelkäse. Der "Jersey Blau" aus Lichtensteig ist cremig,
leicht und milde. Die Jurypräsidentin aus Kanada habe gesagt, sie
habe sich regelrecht verliebt in diesen Käse, sagt Schmid.
Der Käseweltmeister aus Lichtensteig kaufte die damals stillgelegte
"Stadtlichäsi" vor vier Jahren. Er entferte das alte, holzbefeuerte
Kessi. Die Räume waren teilweise zu niedrig. Mulden voll Beton und
Gestein mussten heraus geschafft werden. Inzwischen ist die Käserei
nach den Bedürfnissen des Käsers ausgerichtet, zu dessen Philosophie
es gehört, dass er die Jersey-Milch und die Braunviehmilch von
seinen Lieferanten separat verarbeitet. In der bis zur Decke
geplättelten Käserei steht nun ein von der Schweizer Armee
rezyklierter Dampfkessel, der ursprünglich zur Sterilisierung der
Matratzen eingesetzt werden sollte. Neben Jersey- und Braunviehmilch
verarbeiten Schmid und sein Mitarbeiter Alessandro DeCandido Ziegen,
Schaf- und Büffelmilch. Aus jeder Milchart entsteht eine
Spezialität, welche die Vorteile der jeweiligen Milchart zum
Ausdruck bringt. Die fett- und eiweissreiche Milch der Jersey-Kühe
ergibt besonders guten Schimmelkäse. "Die Jersey-Milch hat einen
guten Griff", fachsimpelt der Käser. Auch ist die Käseausbeute und
damit der Ertrag für den Käser gut. Jersey-Milch enthält auch hohe
Anteile von Kappa Kasein BB.
Die Haltung von Jersey-Kühen lohnt sich
"Der Weltmeistertitel
ist ein Highlight für uns Schweizer Jersey-Züchter", sagt Bauer
Hansruedi Giger, der einzige Jersey-Milchlieferant von Schmid, der
somit auch die Milch für den Champion-Käse geliefert hat. Er hält
die Jersey-Rasse als besonders geeignet für das Berggebiet. "Die
kleine Jersey-Kuh gilt als wirtschaftlich, weidegängig, als
effiziente Futterverwerterin, welche die Hitze gut verträgt." Eine
neue amerikanische Studie belege zudem, dass ein Kilo Käse aus
Jersey-Milch umweltfreundlicher erzeugt wird im Vergleich zu den
anderen Rassen. Da die Jersey-Rasse, im Verhältnis zu ihrer Grösse
weniger Treibhausgase produziert. Während die Rasse Jersey weltweit
zahlenmässig gleich hinter den Holsteinkühen rangiert, gibt es in
der Schweiz fast 9000 Herdebuchtiere, Tendenz steigend.
Der "Jersey Blau"-Käse von Schmids geht teilweise in den Export.
Käse aus Jersey-Milch habe auch Potenzial, importierten Weichkäse zu
ersetzen und entlaste so den Markt. Toni Keller, Geschäftsführer des
Schweizerischen Jerseyzuchtvereins, hat die Käse an den "World
Jersey Cheese Awards" angemeldet. Mit im Wettbewerb war auch Käse
von Franz und Franziska Koster aus Faltigberg ZH. Ihr Käse gewann
eine Bronzemedaille.