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Jersey

Züchtergruppe Ostschweiz

Lindenstr.86

9000 St.Gallen

E-Mail : jerseyost@gmx.ch

  

 

 

 

 

29.01.2010 im Tagblatt:

 

Hans und Vreni Sprecher präsentieren «Chosy» und ihr im wahrsten Sinn des Wortes «herziges» Kuhkalb «Cortina».

 

Leichte Jerseys statt schwerer Brauner

Hans Sprecher vom Grabserberg war bis vor zehn Jahren ein erfolgreicher Braunviehzüchter. Jetzt stehen nur noch Jersey-Kühe im Stall seines Hofs hoch über der Rheinebene.

Bild und Text: Hansruedi Wieser

Bis Ende der 90-er-Jahre stand im Stall und auf den Wiesen des Brandhofs auf dem Grabserberg Braunvieh. Als eines Tages unter den Vertragsaufzuchttieren eines Berufskollen ein bedeutend kleineres Jerseykalb dabei war, läutete dies eine neue Ära auf dem Heimet ein: Die Umstellung von Braunvieh auf die Jerseyrasse. Dabei war Hans Sprecher bis dahin ein erfolgreicher Brown-Swiss-Züchter gewesen. Davon zeugen einige währschafte Kuhglocken an starken Lederriemen. Die grösste kommt von einer Zentralschau in Zug des Schweizerischen Braunviehzuchtverbandes. Hier teilnehmen zu können bedarf eines guten Ranges in regionalen Vorausscheidungen und ist für jeden Züchter eine Ehre.

Bis 1995 verboten 

 «Das Jersey-Kalb war bald einmal der Liebling der Familie», erinnern sich Hans und Vreni Sprecher-Zogg, Eltern von fünf Söhnen. Schon im Jahr darauf besuchten Sprechers in Begleitung von Sohn Peter, der damals die Ausbildung zum Landwirt absolvierte, einen Handelsbetrieb, der Jersey-Rinder aus Dänemark einführte. Ohne Importtiere ging es in jenen Jahren nicht ab, denn bis 1995 war die Jersey-Rasse in  der Schweiz verboten. Schon beim ersten Besuch beim Viehhändler wurden zwei Jersey-Rinder und zwei Kälber gekauft. Im Verlauf von wenigen Jahren wurde der Viehbestand auf dem Brand sukzessive auf die Jersey-Rasse umgestellt.

Denn Sprechers hatte diese Rasse auf Anhieb imponiert, vor allem weil die Tiere mit 300 bis 400 Kilo etwa ein Drittel leichter sind, als die Brown-Swiss, die sie damals besassen. «Das geringere Gewicht ist auf unserem Hof im Berggebiet mit schattigem, oft nassem Gelände von Vorteil», sagt Hans Sprecher. Eine Weide, die vorher arg strapaziert war, präsentiert sich inzwischen in sehr gutem Zustand.» Festgestellt wurde auch, dass diese leichteren Tiere weniger Klauenprobleme haben. Heute stehen im 1982 erbauten, konventionell eingerichteten Anbindstall 15 Jersey-Kühe anstelle eines Dutzend Brown-Swiss sowie 25 Jersey-Rinder und -Kälber. Sohn Peter ist seit kurzem der erste Präsident der neu gegründeten Jersey Züchtergruppe Ostschweiz.

Kuhkalb wie aus dem Bilderbuch

«Es ist jedes Bauern persönliche Sache, welche Viehrasse er hält. Wir sind überzeugt von den Jersey», sagen Hans und Vreni Sprecher-Zogg, die sich die Arbeit auch im Stall teilen. Aufgabe der Bäuerin ist die Kälberbetreuung. Am 8. Januar war Glück im Stall angesagt. Kuh Chosy brachte das Kuhkalb Cortina zur Welt. Dieses ist seitdem der Star. Nicht von ungefähr:  Auf der braunen Stirn prangt ein schneeweisses Herz.

Zum Glück ist es kein Stierkalb. Die männlichen Tiere werden nämlich im Alter von zirka fünf Monaten geschlachtet. Ein Tier liefert etwa 50 kg Fleisch. Dieses wird an Private geliefert. Dank der Mund-zu-Mund-Propaganda haben Sprechers nie Absatzsorgen. Das feinfaserige, zarte und doch würzige rosafarbene (!) Kalbfleisch verkauft sich fast von selbst. «Das hängt wohl damit zusammen, dass auf unserem Biobetrieb auch Stierkälber extensiv gefüttert werden», erklären Sprechers. Kommt dazu, dass ihre Kälber bis zum Schlachttermin etwa zwei Monate älter sind als Tiere aus reinen Mastbetrieben.

Separat abzuliefernde Biomilch

Da seit dem Wechsel auf die Jersey drei Kühe mehr im Stall stehen als früher, «geht es bei der Milch mengenmässig auf», meint Hans Sprecher. Die Milch liefert er jeden zweiten Tag ab Kühltank auf dem Hof in der Milchsammelstelle Grabs ab. Hier wird seine Biomilch separat entgegengenommen und auch extra vom Biomilchpool abgeholt und an die speziellen Abnehmer verteilt.

Für die Milch der Jersey gibt es im Jahresdurchschnitt einen Zuschlag von zirka zehn Rappen pro Kilo auf den Referenzpreis. Für die Bezahlung ist der durchschnittliche Anteil von Fett und Eiweiss in der Milch relevant. Bei den grossen Rassen beträgt dieser im Schnitt 7,3%, bei den Jersey 9,3%. «Dieser höhere Milchpreis gleicht den kleineren Schlachterlös bei den Stierkälbern wieder aus», meint Hans Sprecher.

Zwei Maiensässe und eine Alp

Das Vieh auf dem Biobetrieb Brand ist im Sommerhalbjahr jeden Tag auf der Weide. Zum Heimet gehören noch zwei Maiensässe und das Alpzimmer Rugg auf der Breitenalp am Fusse der Churfirsten im Obertoggenburg. Hier wird jeweils das Jungvieh gesömmert. Die Kühe und die im aktuellen Jahr geborenen Kälber verbringen den Sommer zu Hause.